„Die bestürzende Fülle der Welt“ ist das Thema einer aussergewöhnlichen Musikalischen Lesung mit Texten der wunderbaren Poetin MarieLuise Kaschnitz (1901-1974) mit Maximilian Hilbrand (Stimme) und Gunda Gottschalk (Bratsche) am Sonntag, 26. April 2026, um 17.00 Uhr in der Bonner Lutherkirche.
Die Veranstaltung dauert ca. 75 Minuten. Keine Pause. Ein Programm des Schauspielers Maximilian Hilbrand.

Marie Luise Kaschnitz ist eine der herausragenden Schriftstellerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre Gedichte verlangen geradezu nach Klanggebung und Vortrag und machen auch immer wieder existenzielle und spirituelle Erfahrungen und Sehnsüchte zum Thema: „Singe das Lied vom Menschenleben, es gibt keinen andern Gesang…“ Ursprung und Leidenschaft ihres dichterischen Schaffens ist die Liebe zur Natur. Ihr Antrieb die Frage nach dem Wesen unseres Mensch-Seins. Ihre Stimme sucht Trost und Hoffnung in Zeiten von und Halt- und Ratlosigkeit.
Ihre Sprache ist geprägt von großer innerer Anteilnahme und Wahrhaftigkeit des Ausdrucks. Sie stellt sich der Zerrissenheit in uns und der Welt.
Marie Luise Kaschnitz legt Rechenschaft ab. Ihre Dichtung zeugt von Aufrichtigkeit, Mut, beeindruckender Disziplin und schonungsloser Selbstbefragung. Sie überläßt uns ein Werk zeitloser Relevanz.
«All meine Gedichte waren eigentlich nur ein Ausdruck des Heimwehs nach einer alten Unschuld oder der Sehnsucht nach einem aus dem Geist und der Liebe neu geordneten Dasein […] überall habe ich nur versucht, den Blick des Lesers auf das mir Bedeutsame zu lenken, auf die wunderbaren Möglichkeiten und die tödlichen Gefahren des Menschen und auf die bestürzende Fülle der Welt. Den billigen Trost, den manche Leser vom Gedicht erwarten, habe ich nie geben wollen, und wenn meine Verse […] verständlich waren, so hängt das damit zusammen, dass mein Weg in der Lyrik mich von der Natur zum Menschen geführt hat und daß ich nie ganz vergessen konnte, dass ich mich Menschen mitteilte, freilich solchen, die die Mühe des Ungewohnten und nur langsam zu Begreifenden nicht scheuen“, so Marie Luise Kaschnitz anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises 1955.
Ort: Evangelische Lutherkirche, Bonn-Südstadt, Reuterstr. 11
(März 2026 / ger)

